Einstieg, Energiesystem, Fördermittel und Recht: Eine Infoveranstaltung des Verbands Spedition und Logistik Nordrhein-Westfalen am ZF-Standort Holzwickede zeigte, worauf es beim Umstieg auf E-Mobilität ankommt.
E-Mobilität ist in der Logistik angekommen und kann beim Betrieb bereits heute wirtschaftlicher sein als Diesel. Das zeigten Praxisbeispiele bei der vom VSL NRW am 22. September organisierten Veranstaltung mit zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit sind neben Fahrzeug und Streckenprofil vor allem ein passendes Energiesystem und – in der Startphase – geeignete Fördermittel.
Wie der Einstieg in die Praxis funktionieren kann, zeigte VSL-NRW-Vorstandsmitglied Max Schmirler, Geschäftsführer von AStrans. Sein Unternehmen setzt seit diesem Jahr vier schwere DAF XF Electric in der freien Disposition ein. „Ob bei Software und Digitalisierung oder nun bei der Elektromobilität: Wir nehmen gerne eine Vorreiterrolle ein, um frühzeitig Erfahrungen zu sammeln“, sagte Max Schmirler.
Auch ohne eigene Ladeinfrastruktur am Standort in Bottrop sind die E-Trucks laut Max Schmirler bereits wirtschaftlich unterwegs. Selbst bei 40 Cent pro kWh an öffentlichen Ladesäulen seien die Fahrzeuge günstiger als Diesel. Bei einem Strompreis von 20 Cent pro kWh könnten die variablen Kosten auf rund ein Viertel des Verbrenners sinken. Berücksichtigt sind dabei unter anderem die Mautvorteile für Elektro-Lkw, nicht jedoch die Fixkosten.
„Es funktioniert, auch im ungeplanten Fernverkehr“, bestätigte Torsten Hermsen, Zero-Emission-Experte bei DAF Trucks Deutschland. Er ermutigte Flottenbetreiber, eigene Erfahrungen zu sammeln. Auch Verlader würden zunehmend gezielt Speditionen mit Elektrofahrzeugen beauftragen. Bei der Stückgutkooperation Cargoline sind bereits mehrere elektrische Sattelzüge auf festen Linien im Einsatz. Für den Ladepark mit sechs Ladepunkten à 200 kW unterstützte EAM Natur Energie bei Planung, Installation und Betrieb.
Neben Fahrzeugen und Ladeinfrastruktur standen Fördermöglichkeiten im Fokus. Maximilian Fremery von der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur gab einen Überblick über den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur und kündigte für das vierte Quartal weitere Förderaufrufe an. Der Bund plant ein Lkw-Schnellladenetz mit 350 Standorten. Ergänzend gibt es Länderprogramme und Förderangebote der KfW.
Rechtliche Fragen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. VSL-NRW-Rechtsanwalt Michael Steinfort verwies unter anderem auf Vertragsgestaltung, Eigentumsverhältnisse bei Ladeinfrastruktur und Arbeitsschutz. Besonders wichtig seien klare Vereinbarungen zu Lieferzusagen und den Folgen, wenn diese nicht eingehalten werden. Auch die Schulung von Beschäftigten im Umgang mit Hochvolt-Technologie sei erforderlich.
Gastgeber ZF gab abschließend Einblicke in die Achsen-Instandsetzung und seine Lösungen für das Flottenmanagement. Mit der Plattform Scalar lassen sich auch E-Trucks einschließlich Reichweite und Ladezustand sowie die Ladeinfrastruktur in das Flottenmanagement integrieren. Weitere vorgestellte Assistenz- und Sicherheitsfunktionen zeigen: Unabhängig vom Antrieb bleibt Sicherheit ein zentraler Faktor im Straßengüterverkehr.
Beim anschließenden Barbecue nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, ihre Erfahrungen zu teilen, Kontakte zu knüpfen und sich über konkrete nächste Schritte auf dem Weg zur E-Mobilität zu vernetzen.